Unbekannte und bekannte Kammermusik

Aus der dem eigenen Spiel entstammenden Begeisterung für Streicherkammermusik entstand die Idee, unbekannte Werke wieder auszugraben, einzuspielen und in Zusammenarbeit mit verschiedenen Labels zu veröffentlichen und auch Kompositionen gängigerer Komponisten zyklisch neu aufzunehmen. Zu diesem Zweck wurde 2003 die Initiative music4strings gegründet.

L. Cherubini: Streichquintett/ G. Onslow: Streichquintette opp.19&51 (world premiere recordings)
(cpo 777-187-2)


Den Anfang machte 2006 eine CD mit Streichquintetten in der Besetzung mit zwei Violoncelli von Georges Onslow und Luigi Cherubini mit dem Diogenes Quartett und Manuel von der Nahmer. Die Besetzung mit zwei Celli liegt mir als Cellisten besonders am Herzen. Dass sich hier abseits von Franz Schuberts unerreichtem Meisterwerk ein eigener Gattungszweig entwickelte, ist heute nahezu unbekannt.

M. Weinberg: Werke für Violine und Klavier Vol.1 (cpo 777-456-2)
M. Weinberg: Werke für Violine und Klavier Vol.2 (cpo 777-457-2 - 2CDs)

Ebenfalls bei CPO erschien im August 2009 die erste CD aus einer Reihe mit Werken für Violine und Klavier des polnischen Komponisten Mieczyslaw Weinberg (Duo Stefan & Andreas Kirpal). Weinberg wurde als polnischer Jude erst von den Nazis nach Russland vertrieben, wo er anschließend unter Stalins Schreckensherrschaft zu leiden hatte. Er war ein enger Freund Schostakowitschs, der ihn auch kompositorisch stark beeinflusste. Auch die restlichen Violinsonaten und die tolle Sonate für zwei Violinen (world premiere recording) sind inzwischen erschienen.

Fr. Gernsheim : Klavierquartette Nr.1&3 (world premiere recordings)
(Brilliant Classics 93997)
Fr. Gernsheim : Violinsonaten (world premiere recordings - 2CDs)
(Brilliant Classics 94403)
Fr. Gernsheim : Streichquartette Vol.1 (world premiere recordings)
(cpo 777-387-2)


Eine besondere Entdeckung für mich war die Kammermusik des Brahms-Freundes Friedrich Gernsheim. Gernsheims erste wichtige berufliche Station war Köln, wo er als Lehrer ans Konservatorium verpflichtet (hier war u.a. E. Humperdinck sein Schüler) und Leiter des „Städtischen Gesangvereins“ und der „Musikalischen Gesellschaft“ wurde. Er leitete dort unter anderem die Kölner Erstaufführung von Brahms „Ein Deutsches Requiem“. Anschließend wurde er zu einer der prägenden Figuren des Kulturlebens der Niederlande als Generalmusikdirektor in Rotterdam und Leiter sogenannter „Musteraufführungen“ an der „Deutschen Oper“. Schließlich kehrte er als Leiter des Stern´schen Gesangvereins Berlin und Lehrer am gleichnamigen Konservatorium nach Deutschland zurück. Neben der engen Freundschaft zu Brahms hatte er Kontakt zu nahezu sämtlichen bekannteren Kollegen seiner Zeit von G. Rossini, A. Bruckner, R. Wagner, M. Bruch bis zu G. Mahler. Friedrich Gernsheim gehört zur Generation jüdischer Musiker, deren Lebenswerk von den Nazis erfolgreich bis heute aus der Musikgeschichtsschreibung getilgt wurde. Mit zwei der drei Klavierquartette Gernsheims (Diogenes Quartett & Andreas Kirpal) erschien im September 2009 die erste CD einer Reihe mit seinen Kammermusikwerken bei Brilliant Classics . Im Sommer 2012 konnten wir endlich auch seine Werke für Violine und Klavier fertig stellen. Und für das Label cpo begannen das Diogenes Quartett und ich 2019 mit einer Gesamteinspielung seiner Streichquartette und -quintette.

Max Bruch: Sämtliche Streichquartette:
Streichquartette op.9, 10 und op. posth.
(world premiere recording)
(Brilliant Classics 95051)

Durch einen glücklichen Zufall stieß die Musikwissenschaftlerin Ulrike Kienzle im Jahr 2013 auf das Manuskript eines bisher verschollen geglaubten Streichquartetts von Max Bruch (1838-1920), das dieser als Dreizehnjähriger zur Bewerbung um das Stipendium der Frankfurter Mozart-Stiftung komponiert hatte. 2014 wurde es vom Diogenes Quartett uraufgeführt. Schnell wurde daraus ein CD-Projekt zusammen mit den nur wenige Jahre später entstandenen beiden bekannten Streichquartetten Bruchs, auch um die Beziehungen und Ähnlichkeiten zwischen den Werken auszuleuchten und Bruchs kompositorische Entwicklung nachzuzeichen.
 
Ignaz von Beecke: Klavierquintett und Streichquartette in G und C (world premiere recording)
(cpo 777-682-2)
 
"Er gehört nicht nur unter die besten Flügelspieler, sondern auch unter die vorzüglichsten und Originalsten Componisten". So lautete das Urteil Christian Friedrich Daniel Schubarts über seinen Kollegen Ignaz von Beecke, der ab 1759 am Hof in Wallerstein beschäftigt war und heute nahezu unbekannt ist. Dass er ein Bewunderer Haydns war, hört man seiner Musik an. Auch mit Mozart war er bekannt und soll sogar mit ihm vierhändig am Klavier aufgetreten sein. Auch hier spielen das Diogenes Quartett und Andreas Kirpal.